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Datum: 05.12.2023

"Die Zeit der Fakten ist vorbei"
Sonderausstellung im Museum Bünde beleuchtet die gesellschaftliche Entwicklung

Fake-News und diverse Verschwörungserzählungen sowie allerlei individuelle Weltvorstellungen finden heutzutage in weiten Teilen der Gesellschaft als neue „Wahrheiten“ zunehmend Anerkennung. Dabei hatten mit dem Zeitalter der Aufklärung die Menschen des 18. Jahrhunderts damit begonnen, die Vernunft als universelle Urteilsinstanz anzusehen. Damit verbunden war der Kampf gegen Vorurteile und die Hinwendung zu den Naturwissenschaften. Auch das Plädoyer für religiöse Toleranz geht mit der Aufklärung einher.

Diese gesellschaftliche Entwicklung wird ab kommenden Sonntag, den 10. Dezember 2023, im Museum Bünde thematisiert. Die von Museumsleiter Michael Strauß konzipierte Sonderausstellung „Die Zeit der Fakten ist vorbei“ versucht, einen Überblick über verschiedene Behauptungen, Weltvorstellungen und Verschwörungserzählungen zu geben und die allgemeine Entwicklung darzustellen. „Heute, im 21. Jahrhundert, könnte man den Eindruck bekommen, dass es die Aufklärung nie gegeben hat: So gibt es unzählige Menschen, die abstruse Dinge behaupten! Beispielsweise, dass es außerirdische Reptilienwesen gibt, die im Inneren unseres Planeten leben, oder dass es ein höheres Wissen gibt, dass weit über unsere naturwissenschaftliche Erkenntnis hinaus geht und das nur für hellsichtige Menschen erkennbar ist“, so Strauß. Er ergänzt: „Neben derartigen Behauptungen werden von vielen Menschen unzweifelhaft belegte Tatsachen ohne Begründung verneint. So streiten Holocaustleugner den Völkermord an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten ab und sprechen von der „Auschwitzlüge“. Donald Trump leugnet den Klimawandel und die Rechtmäßigkeit der Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten und wird dafür von einem großen Teil der amerikanischen Gesellschaft als „Held“ gefeiert. Insgesamt scheint es heutzutage in der Gesellschaft eine sehr hohe Akzeptanz nicht belegbarer Behauptungen zu geben. Dabei werden von vielen Menschen wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse zu persönlichen Meinungen der Wissenschaftler degradiert, die nicht mehr zu bedeuten hätten als irgendeine Behauptung.“

Eröffnet wird die Sonderausstellung am 10. Dezember 2023 um 11 Uhr. Sie ist die letzte Ausstellung von Michael Strauß als Museumsleiter. Bürgermeisterin Susanne Rutenkröger dazu: „Es ist in Bünde ein offenes Geheimnis, dass der langjährige Museumsleiter Michael Strauß zum Jahresende in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet wird. Wer folgt ihm nach? Die Stadt Bünde steht bereits seit einiger Zeit mit dem Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) über eine mögliche Zusammenarbeit im Bereich Dobergmuseum im konstruktiven Austausch. Die Nachfolgeregelung des Museumsleiters bietet dabei eine erste gute Gelegenheit, gemeinsam in die Zukunft zu schauen. Unabhängig davon gab es bei der Programmgestaltung 2024 für das Museum in Bünde bereits wertvolle Unterstützung durch den LWL, etwa im Rahmen der Ausleihe von Sonderausstellungen. Somit wird das Museum - auch nach dem Ausscheiden von Michael Strauß - neben der interessanten Dauerausstellung wie immer auch ein attraktives und abwechslungsreiches Programm anbieten.“

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